kleine und große Kinder

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Gerne erinnere ich mich an meine Zeit in der Grundschule zurück – als Lehrerin, nicht als Schülerin (das auch, aber darum geht es hier nicht… 😉 ).
Es war ganz großartig, diese kleinen Menschen beim Lernen und Leben zu beobachten und eigentlich viel mehr von ihnen zu lernen, als sie von mir. Rückblickend würde ich wohl sagen, gehört die Zeit mit zu den besten Abschnitten meines bisherigen Lebens.
Jetzt arbeite ich mit Erwachsenen und stelle fest: der Unterschied in der Freude am Lernen ist frappierend. Alles in allem lässt es sich wohl überwiegend mit „keine Lust“ zusammenfassen (kleine Anmerkung: Alle sind freiwillig da!). Hinzu kommt, dass mein Fach als nicht eben wichtig betrachtet wird, man gleichwohl aber etwas dafür tun muss, weil es prüfungsrelevant ist. Tja… Pech! Manchmal hilft der letzte Punkt enorm und oft versuche ich die Tatsache, dass da eigentlich ein unmotivierter und lernfrustrierter Haufen vor mir sitzt auszublenden. Oft nehme ich interessante Dinge auch abseits des regulären Lernstoffs auf, wenn etwas Interesse aus der Gruppe kommt. Ich mache das durchaus gerne, denn mein Job macht einfach so viel mehr Spaß, wenn „die andere Seite“ auch Spaß hat. So halte ich es auch in meinem neuen Job und bin damit an und für sich ganz gut gefahren. Bis dann neulich eine meiner Teilnehmerinnen ziemlich ausfallend wurde, nachdem ich ihrem Wunsch nachgekommen und extra eine Einheit erarbeitet hatte, die sich genau mit ihrer Frage beschäftigte. Vielleicht war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufe brachte, nachdem vorher einige andere Kleinigkeiten zusammenkamen…
Frau Ella reicht es aber auch mal: 08/15-Unterricht ich komme! Schön, dass ich dich jetzt kennen lernen darf. Ist auch arbeitszeittechnisch viel besser und gesünder als die andere Variante…

Liebe Grüße
Frau Ella

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Neues

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Als ich vor zwei Jahren aufgehört habe, über meinen Schulalltag zu bloggen, dachte ich tatsächlich: da kommt sowieso nichts mehr. Dem ist allerdings nicht so. Nach wie vor habe ich mit großen und kleinen Herausforderungen zu kämpfen, erlebe Lustiges und Dinge, die mich unendlich traurig machen, habe mit großartigen Menschen zu tun und solchen, die auf dem Weg dahin noch Unterstützung brauchen. Nur die Zielgruppe hat sich geändert: Ich arbeite mit mehr oder weniger erwachsenen Menschen zusammen. Ein unfassbarer Vorteil dabei: Elternarbeit entfällt gänzlich. Ein absolut herrlicher Nebenaspekt meines Jobs. Dafür haben es dann aber die Gespräche mit den SchülerInnen ab und an in sich. Aber dazu wird sich künftig die ein oder andere Begebenheit hier finden.
Auch das Kollegium hat sich geändert, denn ich arbeite nur ganz punktuell mit ausgebildeten LehrerInnen zusammen. Das finde ich auf der einen Seite sehr angenehm, weil man so unterschiedliche Sichtweisen austauschen kann. Auf der anderen Seite merke ich aber oft, dass ein pädagogisches Grundverständnis bei den KollegInnen kaum vorhanden ist, was dazu führt, dass manches schwieriger wird. Dieses Spannungsfeld ist manchmal nur sehr schwer zu ertragen. Oft würde ich gerne vieles sofort verändern und muss mich dann doch in sehr anstrengender Geduld üben…
Ansonsten hat eine Unterrichtsstunde immer noch 45 Minuten und die Anforderungen an den Unterricht sind die gleichen wie zuvor. Nur arbeiten muss ich nicht mehr zu Hause, denn mir wurde ein Arbeitsplatz in der Schule zur Verfügung gestellt. So kann ich dann nach Unterrichtsschluss tatsächlich entspannen.

Alles Liebe
Frau Ella

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Lang nichts mehr geschrieben…
Mit dem Wechsel in meinen neuen Job 2016 war für mich klar: ich blogge nicht mehr. Ich bin nicht mehr an einer allgemeinbildenden Schule, unterrichte keine „normalen“ SchülerInnen mehr und sowieso… irgendwie passte das alles nicht.
Nach gut zwei Jahren habe ich aber gemerkt: natürlich gibt es immer noch die ein oder andere Begebenheit in Hinblick auf das Unterrichten. An einer Schule bin ich ja schließlich immer noch. Zwar sind die Herausforderungen andere, aber sie sind immer noch da: jede Stunde aufs Neue. Und davon möchte ich in Zukunft gerne wieder berichten.

Alles Liebe
Frau Ella

Frau Ella geht…

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… es ganz schön auf die Nerven, zu sehen, wie es anderen Menschen im Referendariat geht. Wirklich. Um es kurz und knapp auszudrücken: Es ko..t mich an.

Wie ich merke, bin ich nicht allein mit meinem Weg durch die Lehrerausbildungs-nach-Studiums-Hölle. Und anscheinend bin ich auch nicht alleine damit, dass einige frei denkende Menschen (nicht diejenigen, die an Posten kleben), langsam aber sicher zu dem Schluss kommen, dass das Referendariat Murks ist. Ja, man kann das ruhig mal so sagen: totaler Murks. Ein aufgeblähtes Etwas, das sich um seiner Selbst willen am Leben erhält, das Systemfehler produziert, die es dann – wie könnte es anders sein – auf das System schiebt.
Gut, so explizit ist es in der Studie dann doch nicht herausgekommen. Allerdings, dass es ausreichend ist, ein halbes Jahr auf die Lehrertätigkeit vorbereitet zu werden. Und das kompetent. In Wochenendseminaren. Ganz untypisch folgt hier keine genaue Quellenangabe, sondern der Hinweis, dass ich über dieses Ergebnis neulich in Die Zeit gelesen habe (ich denke, es war die Printausgabe vom 25.2.2016 oder vom 03.03.2016) und zwar im Zusammenhang mit der Initiative TeachFirst.

Darüber wollte ich gar nicht schreiben. Aber wie das halt manchmal so ist: plötzlich ist was getippt…
Eigentlich sollte es nur eine kurze Info darüber geben, dass das Sprichwort von Plänen und dem Leben doch immer wieder zutrifft. Ich bekam nämlich plötzlich ein Jobangebot, dass ich unmöglich ausschlagen konnte. Und so bin ich angekommen: in einem Job, von dem ich nicht zu träumen gewagt hätte. Nach wie vor bin ich Lehrerin. Nur eben nicht im Schuldienst (puh, gerade nochmal gutgegangen!!!!) und auch nicht als Selbstständige. Viel schreiben werde ich darüber nicht können, weil das nicht geht. Aber: es ist großartig.
Außerdem gab es gleich doppelten Nachwuchs bei Frau Ella und ihrem Herzensmann. – Allerdings erstmal auf der tierischen Ebene. Da die beiden sich noch nicht grün sind, wird das meine volle Aufmerksamkeit erfordern. Und außerdem natürlich auch der Job und alles, was das Leben so mit sich bringt.
Es bleibt also auch künftig bei sporadischen Beiträgen.

In diesem Sinne schonmal von Herzen ein wundervolles Osterfest an alle meine LeserInnen!

Doppelt hält besser

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Murmeltiertage. Bei mir gibt es die ab und an mal. Meistens ist es nur ein Murmeltiertagblitzen. Neulich aber saß mir das Murmeltier sogar auf der Schulter und ich habe nichts gemerkt.
Ich habe gefühlt zehn Klassen im gleichen Jahrgang und im gleichen Fach. Grundsätzlich sind sie gleichauf, auch wenn die ein oder andere Lerngruppe mal etwas länger braucht. Im Prinzip kann ich mich an die Klassen und Unterrichtsinhalte erinnern, natürlich auch mithilfe von Notizen.
Neulich habe ich aber – und das ist mir vorher noch nie passiert – die gleiche Stunde doppelt gehalten. Naja, nicht ganz. Nach 30 Minuten haben mich die SchülerInnen dankbarerweise auf meinen Fehler hingewiesen.
Im Nachhinein ist das ganz lustig, in der konkreten Situation jedoch war es alles andere als das… 😉

Kuschelpädagogik

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Seit einigen Wochen darf ich in einem neuen Kurs unterrichten. Diesmal in einem Integrationskurs. Die TeilnehmerInnen sind nett, allerdings ist die Gruppe viel größer als in Privatkursen, was natürlich dem ganzen Lernprozess abträglich ist. – Aber ich will mich nicht beschweren: an Gruppengrößen von 30 oder mehr, wie es an staatlichen Schulen der Fall ist, reichen wir noch nicht heran.
Den Kurs habe ich von zwei Kolleginnen übernommen. Eine der Kolleginnen treffe ich immer noch im Lehrerzimmer und so erhalte ich selbstverständlich ein paar Einblicke – darin, wie sie den Unterricht sieht und gestaltet. Mittlerweile erschließen sich mir so einige Unwägbarkeiten, über die ich während meiner kurzen Zeit bereits gestolpert bin. Die Kollegin ist nett und freundlich, aber leider auch DER Inbegriff einer Müslilehrerin. Mit den Auswüchsen dessen darf ich mich nun „anfreunden“.
Der Kurs läuft bereits seit einigen Modulen und so hätte man ganz einfach verschiedene Arbeitsformen etc. einführen können. Man hätte auch Regeln des gemeinsamen Unterrichts festglegen können. Man hätte auf die Einhaltung dieser Regeln pochen können, um allen Beteiligten einen angenehmen Unterricht zu ermöglichen. Man hätte die TeilnehmerInnen zu selbstständig Lernenden ausbilden können.
Was anscheinend dagegen geschah:
Frontalunterricht und Einzelarbeit. – Es herrscht eine totale Unfähigkeit zur Partner- und Gruppenarbeit. Ganz zu schweigen davon, dass die TeilnehmerInnen nicht in der Lage sind, selbstständig zu arbeiten und einfachste Arbeitsaufträge zu verstehen. Arbeitsergebnisse festhalten scheint etwas zu sein, was es in diesem Kurs niemals gegeben hat.
Die TeilnehmerInnen dürfen reden wann sie wollen und wie sie wollen, Melderegeln gab es nicht, gemeinsame Gespräche, in denen einander zugehört und aufeinander eingegangen wird, sind fremd. Stattdessen: wildes Durcheinandergerede. De facto: drei bis fünf Einzelgespräche jeweils durch den ganzen Raum hinweg. Fragen werden immer sofort von fast allen TeilnehmerInnen beantwortet, sodass niemand mehr etwas verstehen kann.
Die TeilnehmerInnen wurden in eine Opferrolle hineinkatapultiert. Von selbstständigem Arbeiten keine Spur. Stattdessen: völlige Unbeholfenheit, keine Strategien zum Umgang mit Wissenslücken, Panik bei Nichtwissen. (Gedankenprotokoll zur Aussage der Kollegin: Die müssen jetzt alle nochmal schön an die Hand genommen und ein bisschen gehätschelt und getätschelt werden.)

Der Kurs befindet sich im letzten Modul, steht also kurz vor der Prüfung. Ich versuche so gut es geht wenigstens durchzusetzen, dass die TeilnehmerInnen sich melden, wenn sie etwas sagen möchten, doch ich scheitere kläglich. Ich habe den Kurs insgesamt 20 Unterrichtsstunden in der Woche…

Schulstart

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Die erste volle Schulwoche im neuen Schuljahr ist angebrochen und nun muss ich mir die ganzen Daten auch wieder merken… Ferien, Klausuren…
Der Unterricht an der Privatschule ist dem an staatlichen Schulen wenig unähnlich. – Inhaltlich sowieso schonmal nicht. – Und zwischenmenschlich erst recht nicht… 😉
Wenn Schüler austesten – egal, in welchem Alter, dann amüsiert mich das immer. Vor allem bei Erwachsenen. Bei Ihnen ist außerdem die Empörung über sooooooooooo viel Arbeit, die gaaaaaar nicht zu bewältigen ist und die es in anderen viiiieel anspruchsvolleren Zusammenhängen ja gar nicht gab noch viel amüsanter. Ich schätze, hätte man keine weiteren Anforderungen als die bloße Anwesenheit der SchülerInnen, dann wäre selbst das zu viel. Die Kultur des sich Beklagens ist ja nicht nur der Schule inhärent…
Selbstverständlich gibt es in den ersten Unterrichtsstunden noch viele Fragen, für die ich mir gerne Zeit nehme, denn Transparenz ist ja ein nicht zu unterschätzender Faktor – egal, in welchem Bereich… Zwei davon sind mir besonders im Gedächtnis geblieben:

Nr. 1:
SchülerIn: „Geben Sie auch pädagogische Noten?“
Frau Ella: „Können Sie das genauer ausführen?“
SchülerIn: „Bekomme ich eine schlechte Note, wenn Sie mich nicht mögen?“

Nr. 2:
SchülerIn: „Geben Sie auch Fünfen?“

Nun denn, auf ein erfolgreiches Schuljahr…

Pause

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Die Bahn streikt und ich habe unerwartet eine kleine „Verschnaufpause“, denn ich bin auf die Bahn angewiesen. Während der zwei Streiktage fahren meine Züge abends nur eingeschränkt und so musste ich ein paar Termine verschieben, sodass ich nun einen ganzen Nachmittag zu Hause bin. – Am Anfang frage ich mich oft, wenn so etwas passiert, was ich bloß mit der ganzen Zeit machen soll, doch meistens zeigt sich, dass diese Sorgen ganz unbegründet sind. Die Stunden fliegen dahin… Und das ist schön. Ich finde es sehr angenehm, mir die Zeit zu nehmen, um mich zu langweilen, einfach mal nichts zu tun – jedenfalls nichts mit einem bestimmten Ziel – und alles so zu nehmen, wie es sich ergibt. Das ist quasi wie ein kleiner Kurzurlaub. – Einfach herrlich! Danke, liebe Bahn! (An dieser Stelle kann ich ruhig anmerken, dass alle Streikenden meine volle Unterstützung haben!)
Und während ich heute Morgen noch in meinem Sprachkurs saß und es draußen ungemütlich kalt war, genieße ich nun meinen Nachmittag in der Sonne. – Glücklicher geht es doch eigentlich gar nicht. 🙂
Und ihr? Hat euch der Streik ebenfalls eine wundervolle Verschnaufpause gegönnt?

Dritte-Welt-Mütter

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Sprachunterricht macht Spaß – extrem viel Spaß. Sprachunterricht ist interessant, lehrreich, lustig, traurig, erschreckend, nervenaufreibend, erstaunlich, überraschend, macht nachdenklich oder entsetzt. Aber im Großen und Ganzen macht er einfach nur Spaß.

Diese Woche gab es gleich zwei Begebenheiten, die es in meine Liste der Besten geschafft haben. Und zwar zwei wundervolle Teilnehmerbemerkungen. Die erste stammt aus meinem Gruppenkurs. Sehr wichtig ist es mir, dass meine TeilnehmerInnen viel reden und versuchen, sich mit den Mitteln, die sie haben, auszudrücken. In einem Gespräch über für verschiedene Sportarten benötigte Dinge führte das zu folgendem Austausch:
TN 1: „Für Fußball braucht man nicht unbedingt ein Tor.“
Frau Ella: „… Naja… Eigentlich schon.“
TN 2: „Nein, nicht unbedingt. Das ist dann Dritte-Welt-Fußball.“
Frau Ella: „???“
TN 2: „Naja, unser Tor war früher aus zwei Steinen.“

Und dann, während eines Bewerbungstrainings:
Ich versuche deutlich zu machen, dass man keine Standardfloskeln benutzen sollte, wenn man sich bei einem Unternehmen bewirbt. Schon gar nicht, wenn es darum geht, warum man unbedingt zu diesem einen Arbeitgeber möchte. – Das ist schon in der Muttersprache nicht so leicht zu formulieren. Ich versuche also mit meinem Teilnehmer, herauszufinden, was besonders an dem Unternehmen ist. Und während dieser Unterhaltung ergibt sich das:
Frau Ella: „Warum möchten Sie genau dort arbeiten?“
TN: „Da habe ich keine schwierige Mutter.“Frau Ella: „Meinen Sie, dort haben Sie keine Schwiegermutter?“
TN: „Ach… das ist das Gleiche.“