Schlagwörter

, , , , ,

Wenn mich etwas beunruhigt, ich aufgeregt bin oder anderweitige nicht alltägliche Gefühlregungen verbunden mit neuen Situationen meinen Weg flankieren, dann ist das mit dem Schlaf so eine Sache. Natürlich wäre es sinnvoll gerade dann tief und fest zu schlafen, sich auszuruhen und so fit zu werden für die bevorstehenden Aufgaben. Aber der Verstand spielt bei dem ganzen Prozess anscheinend eine sehr untergeordnete Rolle (und tut er das nicht ohnehin in ziemlich vielen Situationen? Goodbye Homo Oeconomicus – aber diesen überkandidelten Herrn möchte wohl sowieso niemand in seinem Leben haben. – Oder etwa doch? Für andere begründete Sichtweisen bin ich da jederzeit offen.). Mittlerweile deutet sich das an, was das Referendariat – sagen wir – mehr oder weniger holprig gestalten wird: Das Gefühl, können zu sollen, was eigentlich (noch!) unkönnbar ist. Woher soll es auch kommen, das Unterrichtenkönnen? Aus meiner eigenen Schulzeit, in der sich die Alt-68erInnen nach ein bisschen protestieren hier und ein bisschen Reformpädagogik da in der Sicherheit der lebenslangen Verbeamtung wähnten und es sich so einfach wie möglich machten, indem sie aus ihrem eigenen Wissensfundus schöpften und Vorträge hielten oder einfach Lesetexte austeilten? Oder etwa von den DozentInnen an der Uni, die das noch auf die Spitze trieben und und Studierende dazu anhielten die Sitzungen durch Referate selber zu schmeißen? Ganz sicher nicht! Und so müssen über Jahre hinweg passiv eingeschliffene Routinen über Bord geworfen und eine Stunde Null gesetzt werden. Es ist wie Laufen lernen: Das Baby rollt sich mit der Zeit hin und her, irgendwann entdeckt es die Fortbewegungsmöglichkeit auf Händen und Knien und nach vielen wackeligen und nach Halt suchenden Laufversuchen fängt es an den aufrechten Gang zu entdecken. Nur haben die lieben Kleinen Zeit dafür. Wir Referendare überspringen die ersten Stufen und jetzt stehen wir da, vor unseren Klassen, halten uns an imaginären Schränken und Wänden fest während wir versuchen aus dem Nichts die Erfahrungen des Krabbelns zu verinnerlichen. Dass die nicht präsent sein können, ist klar – jedenfalls weiß das der Verstand. Der Rest hingegen verzweifelt daran, weil doch an sich alles so leicht scheint und die Frage ist, wieso man nicht in der Lage ist das alles zu können. Und diese Differenz lässt das Herz nicht zur Ruhe kommen – und mit ihm auch nicht den ganzen Rest des Körpers, womit die Nächte mit ausgeglichenem Schlaf gezählt sind…

P.S.: Dass die Darstellungen von LehrerInnen und DozentInnen eine überspitzte und verallgemeinerndende Darstellung sind, ist mir bewusst. Natürlich gibt es auch die, die dem hier gezeichneten Bild in keiner Weise entsprechen und das genaue Gegenteil verkörpern!

Advertisements