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Es existiert ja dieses unsägliche Vorurteil über Frauen und Schuhe. Wer nun daran die Schuld trägt, dazu mag sich jeder selbst seine Theorie zurechtlegen. Und wer à la Carrie gerne jede Menge Schuhe daheim hat und fähig ist, jedes neue Outfit mit einem perfekt passenden Paar Schuhe zu kombinieren, den habe ich jahrelang beneidet (ohne mich dabei schlecht zu fühlen), denn mir ist es nicht vergönnt Füße zu besitzen, die in alle erdenklichen Schuhe und noch so kleine Größen passen. Es ist aber durchauch legitim auch andere Hobbies zu pflegen und sein Geld anderweitig anzulegen. Jeder hat ja da so seinen eigenen Interessen- und Ideenpool, aus dem er schöpfen kann. Wenn ich mal Schuhe finde, die passen und dazu noch einigermaßen gut aussehen UND vielfältig kombinierbar sind, dann bin ich meistens schon ganz zufrieden und so trägt es sich zu, dass ein großer Teil meines Schuhschranks aus Einsamkeit schon beinahe baufällig geworden ist. Bisher habe ich mir da keine weiteren Gedanken drüber gemacht. Meine Schuhe werden gepflegt und ich denke nicht, dass ich irgendwie abgerissen rumlaufe (mein Gesamtbild betreffend), ungepflegt aussehe oder Zielscheibe für böswillige Angriffe sein könnte. Es wäre auch etwas zu oberflächlich, Minderwertigkeitskomplexe ob eines vereinsamten Schuhschranks zu pflegen. So weit, so gut.

Zu Beginn meines Referendariats las ich einen Artikel, in einer Zeitschrift für angehende Referendare, der sinngemäß folgenden Inhalt hatte: ‚Bitte wechseln Sie täglich Ihre Kleidung, tragen Sie keine Kleidung, die auch  Ihre SchülerInnen tragen würden und vor allem: wechseln Sie auch Ihre Schuhe – am besten täglich.‘

Was für eine Generation von Menschen möchten die Autoren dieses Artikels wohl gerne heranwachsen sehen?

Der Artikel beschäftigt mich schon ein Weilchen und ich frage mich: Bin ich zu ‚abgebrüht‘, weil ich es nicht verwerflich finde, meinen Pullover am zweiten Tag – ach du je – nochmal anzuziehen und neu zu kombinieren, weil ich nicht der Meinung bin, dass ich 365 Paar Schuhe in meinem Kleidungsfundus brauche und weil ich glaube, dass ich auch als angehende Lehrerin bei diversen Modeketten einkaufen darf, ohne ständig Angst haben zu müssen, dass eine meiner Schülerinnen das gleiche trägt? (An diesem Punkt stellt sich auch die Frage: Wo sollte ich sonst einkaufen? Soll ich mich bereits jetzt kleiden, als wäre ich Mitte 40 um mich möglichst weit vom Kleidungsstil meiner Schülerinnen zu entfernen?)  Oder sind die Schreiberlinge dieses Artikels mit so wenig Selbstbewusstsein gesegnet, dass sie nicht damit umgehen können, wenn SchülerInnen mal etwas an der Garderobe ihrer Lehrkraft missfällt? Oder sind sie von PR-trächtigen Fernsehserien so sehr eingeschüchtert, dass sie sich nicht mehr trauen ein gesundes Maß an Mündigkeit an den Tag zu legen? Und mal ganz abgesehen davon: Im Referendariat habe ich anderes zu tun, als mich stundenlang mit dem Outfit des kommenden Tages zu beschäftigen, neue Schuhe zu kaufen (sowieso eine nervtötende Prozedur) usw. Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand sollte das doch zu regeln sein!!

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