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Es ist ja bewundernswert, wenn jemand den absoluten Durchblick hat. Solche Leute scheinen so selbstbewusst, so souverän, so über-allem-stehend. Oft werde ich geblendet ob dieser schieren Allüberlegenheit. Da habe ich die Sequenzplanung noch nicht mal allumfassend verstanden, stehen bei einigen meiner Mitreferendarinnen sogar schon die einzelenen Stunden in der ersten Sequenz. Ich (und ich würde ganz kühn behaupten: auch viele andere) ringe nach fast jeder Stunde mit mir, prüfe meine Planung und Umsetzung von vorne bis hinten, frage mich, warum es an den immer gleichen Stellen hakt und ich die Dinge nicht richtig machen kann, von denen ich doch eigentlich ganz genau weiß, dass sie meine Schwachpunkte sind. Ich fokussiere mich auch nach vermeintlich guten Unterrichtsbesuchen noch auf misslungene Übergänge, verpatzte Einstiege, weniger gut gewählte Methoden und unrunde Stundenenden, weil mich das alles einfach ärgert und weil ich es auf Biegen und Brechen besser machen will. Bei Durchblickern ist jede Stunde gut und sie sind jedes Mal zufrieden mit allem und alles ist einfach. Nebenbei frönen sie noch fröhlich ihren unzähligen Hobbies – „man muss ja schließlich auch was für sich tun.“

Es freut mich wirklich für diejenigen, die so durchs Leben fliegen und denen alles so leicht fällt. Es ist angenehm, sich nicht ständig mit sich selbst herumschlagen zu müssen und den Kopf frei zu haben von Sätzen wie: „Das hat doch schon letztes Mal nicht geklappt, wieso hast du denn heute nicht darauf geachtet? / Wieso hast du das denn in deiner Planung nicht berücksichtigt? / Du hättest doch vorhersehen können, dass das anders besser gewesen wäre! / Das hättest du besser antizipieren müssen. / Du hättest… / Wieso…? / Weshalb… / Warum…?“ usw.

Wenn ich aber so darüber nachdenke, dann stellt sich die für mich wichtige Frage: Könnte ich mich verbessern, wenn ich mich nicht ständig selbst tadeln würde? Wäre ich überhaupt noch überlebensfähig, wenn ich meinen Perfektionismus über Bord würfe? Und die ganz klare und deutliche Antwort heißt: Nein! Und so werden meine Fragen weiter kreisen, meine Zwiegespräche mit mir selbst weiterhin in Endlosschleifen laufen und mir weiterhin ständig Stolpersteine im Weg liegen. Und genau damit bin ich zufrieden. Weil es mir so unendlich viel hilft und mich nicht stagnieren lässt.

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