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In der Mittelstufe hat man ja an sich nicht nur damit zu kämpfen, die SchülerInnen irgendwie für den Unterricht zu motivieren (meiner Ansicht nach ist das in diesem Abschnitt viel schwieriger als in der Oberstufe oder bei „den Kleinen“), nein, man muss sich auch noch mit so vielen anderen Dingen herumschlagen… An Unterricht ist da oft nicht wirklich zu denken – obwohl ich ihn größtenteils durchziehe.
Zunächst mal wird jede Kleinigkeit kommentiert. Alles. Ausnahmslos.
Auf Leinwand präsentiertes Material minimal schief eingescannt? „Warum ist das schief? / Muss das so schief sein?“
Aufwändig vorbereitete Stunden mit „mal was anderem“ (statt Buch und Aufgaben zu Texten): „Oh, ne, ich will lieber an meinem Platz sitzen, statt stehen.“
Mitdenken? – Dazu verkneife ich mir jeden Kommentar.
Selbstständigkeit? – Die GrundschülerInnen eines meiner Kurse (im Rahmen meiner freiberuflichen Tätigkeit) haben da viel mehr drauf.
Verantwortung übernehmen? „Nein, natürlich habe ich / haben wir das nicht gemacht.“
Draußen weht der Wind durch die Bäume? – Kommentar.
Jemand niest? – Kommentar.
Alles ist ruhig? – Kommentar.
Jemand trägt etwas zum Unterricht bei? – Kommentar.
Frau Ella wartet darauf, dass es leise wird? – Kommentar.
Frau Ella erklärt eine Aufgabe? – Kommentar.
Irgendwas? – Kommentar.
Und dazu dann noch alles andere, mit dem man Kräfte messen kann: „Mal sehen, wer gewinnt.“ Tja, und an diesem Punkt muss ich einräumen: Ich!
Jungs und Mädchen machen das auf ganz unterschiedliche Arten. Die Mädchen immer etwas subtiler. Aber: Weise eineN SchülerIn einmal in seine / ihre Schranken, dann ist es oft ein gutes Auskommen mit ihm / ihr. Ehrlich. Ich hatte letzte Woche zwei solcher „Vorfälle“. Hinterher waren die Betreffenden lammfromm. – Leider ist es mit denen nicht getan…

Ich komme nicht drumherum zu konstatieren: Ich fühle mich, als wäre ich in der Schule umgeben von Energie-Vampiren. Sie saugen mir meine ganze Kraft aus, sodass ich donnerstags schon mehr als reif für’s Wochenende bin. – Und das mit nur einer halben Stelle. Als Vertretung. – Wie machen das denn bitte alle anderen, die eine volle Stelle haben, dazu noch Klassenlehrer sind und sich darüber hinaus in der Schule engagieren?

Für mich wird immer klarer: Ich brauche ganz dringend was anderes. Meine Ausbilder im Referendariat hatten wahrscheinlich nicht ganz unrecht mit meiner Benotung. – Nur wäre es schön gewesen, sie hätten mir das ein bisschen früher näher gebracht, sodass ich meine kostbare Zeit nicht im Referendariat hätte verschwenden müssen…

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