Schlagwörter

, ,

Zeugniskonferenzen. Ein lästiges Übel (es sei denn, es gibt tatsächlich strittige Fälle, was äußerst selten vorkommt). Gerne mit Hang zum Überziehen. – Das macht das Ganze noch weniger attraktiv, schließlich passiert die meiste Zeit nichts (nicht wie etwa in Debatten oder ähnlichem, wo dann wenigstens mal knallhart die Argumente ausgetauscht werden). An und für sich ist es ein sedatives Verstreichen der Zeit. (Es sei denn, man ist selbst Klassenlehrer, Leiter der Konferenz und entsprechend unter Zeitdruck, außerdem noch aufgeregt (ja, in der Tat! Es gibt LehrerInnen, die sind in solchen Fällen aufgeregt!) und besorgt, Fehler zu machen, etwas wissen zu müssen, was gerade nicht abrufbar ist… Dann ist die Zeit meist viel zu kurz.) Dennoch gibt es ab und an nervige, lustige oder verwundernde Augenblicke. Zum Beispiel diesen:

Die Zeugnisse werden besprochen. Überwiegend im Einvernehmen aller anwesenden LehrerInnen. Die Konferenz wird mit einstimmigem Beschluss geschlossen. Endlich! Feierabend! Nichts wie los. Die Aufbruchstimmung ist schon greifbar. Als plötzlich:

„Also, ich möchte nochmal etwas anmerken. Ich denke, die Kinder wurden viel zu streng benotet. Vor allem in den schönen Fächern. Das soll doch Spaß machen. – Das waren früher immer die schönen Fächer und jetzt gibt es da so wenig gute Noten.“ – Die Elternvertretung möchte da also doch nochmal was loswerden. Meine Aufmerksamkeit ist geweckt. Gespannt (und ein wenig genervt) verfolge ich die Szenerie. Noch einige Male wird Einspruch erhoben, eher kläglich als energisch. Dann ist das Thema beendet.

Liebe, vielleicht mitlesende Eltern und alle anderen Interessierten: Es gibt für jedes Fach – auch für die schönen (was ist überhaupt ein schönes Fach? Für mich war das immer Mathe!) konkret festgelegte Bewertungskriterien. Für jedes Projekt gibt es diese ebenfalls. Immer. Und sie werden den SchülerInnen kommuniziert. Jedenfalls heutzutage. (Ich erinnere mich an einen meiner Geschichtslehrer der ein Projekt mit folgenden Worten startete: „Macht das mal, dann bewerte ich das und dann sage ich euch, wie das geht.“) In den meisten Fällen werden die SchülerInnen auch in die Bewertung mit einbezogen, denn sie sollen die dargelegten Kriterien nicht nur anwenden, sondern auch in die Lage versetzt werden, diese selbst angemessen auf andere Projekte anzuwenden und Noten nachzuvollziehen, wobei dann vielleicht auch deutlich wird, dass das Projekt der besten Freundin oder des besten Freundes eben doch nicht so gut ist, wie man das gerne hätte. Zusätzlich fließt die generelle Mitarbeit in eine Zeugnisnote mit ein. Ganz einfache Mathematik, ergänzt um einen kleinen pädagogischen Spielraum. Das ist es. Und leider ist es dann manchmal so, dass es einfach nur wenige „gute“ Noten gibt.

Und, ganz wichtig: KeinE LehrerIn will SchülerInnen etwas Böses. Ganz im Gegenteil. Aber manchmal hilft der Gute Wille allein eben nicht…

Advertisements