Meine erste Woche als selbstständige Sprachlehrerin startete ganz wunderbar. Meinen ersten Kurs hatte ich bereits kennengelernt und wagte nun frohgemut den Schritt in den zweiten. In diesem Kurs waren die TeilnehmerInnen schon fortgeschrittener und eine andere Kommunikation möglich (wobei es auch sehr angenehme Seiten hat, nur einen sehr eingeschränkten Wortschatz nutzen zu können). Bevor meine KursteilnehmerInnen den Kurs gebucht haben, wussten sie selbstverständlich, welche Voraussetzungen sie benötigten (Stichwort: GER). So weit, so gut.

Wie allgemein üblich in „ersten“ Stunden: Man möchte sich gerne kennenlernen. Nicht nur ich die TeilnehmerInnen, sondern genauso umgekehrt. Zudem ist allerhand Organisatorisches zu klären, zum Beispiel, welches Lehrwerk benutzt wird.

In der Vorstellungsrunde fiel mir bereits eine Teilnehmerin auf, die sehr großen Wert darauf legte, dass sie an der Uni unterrichtet. Nachdem ich das neue Lehrwerk vorgestellt hatte, meldet sie sich zu Wort:

„Es ist doch ganz egal, welches Buch wir uns kaufen. Schauen Sie mal, das hier ist viel besser als Ihres. Es wäre für alle gut, damit zu arbeiten. Ihr Buch ist nicht gut. In diesem ist auch die Grammatik gut erklärt. Das ist auch besser für Sie.“

Ich lasse das erstmal unkommentiert, werfe einen Blick in das Buch und leihe es mir aus. Am nächsten Tag gebe ich es der Teilnehmerin zurück und weise sie darauf hin, dass es beim besagten Lehrwerk bleibt. – In ihren Augen mache ich danach nichts mehr richtig:
– Sie kann die Tafelanschrift nicht lesen. Das Problem: Die Farbe. – Die Dame sitzt in der letzten Reihe. Als ich sie bitte, sich nach vorne zu setzen, lächelt sie breit und beteuert, dass sie das nicht tun wird, da sie es sich dort hinten schon gemütlich gemacht habe.
– Drehe ich dem Kurs den Rücken zu, versucht sie ihre Sitznachbarn gegen mich aufzubringen. Als das nicht fruchtet, weitet sie den Kreis aus, bis das Ganze dann in dem Kommentar: „Sie schreiben viel zu viel an.“ gipfelt. (Anmerkung: Ich schrieb die Lösungen an die Tafel.)

Nach diesem Tag habe ich die Dame nicht mehr gesehen. – Dafür trat dann Lady Nummer 2 auf den Plan…

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