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Die Kursstunden kommen und gehen und mit der Zeit merke ich, dass meine TeilnehmerInnen übermäßig auf die Grammatik fixiert sind. Teilweise wurde sie in vorhergehenden Kursen recht stiefmütterlich behandelt, teilweise scheint es der einzige Strohhalm zu sein, an den sie sich klammern. Ein bisschen kann ich das verstehen, stellt die Grammatik doch das Grundgerüst unserer Sprache dar.
Dennoch möchte ich den TeilnehmerInnen gerne aufzeigen, dass es bei Sprache um mehr als das bloße Lernen grammatischer Regeln geht. Somit folgt also eine Einheit zu diesem Thema, damit ich mich anschließend, ganz bewusst, von der Grammatikzentrierung wegbewegen kann. – Lady Nr. 2 fehlt leider in dieser Stunde, aber bei allen anderen merke ich ein deutliches Nachlassen der Anspannung. Puh! Das war dringend nötig.
In den darauffolgenden Stunden arbeiten wir an der Aussprache, dem Wortschatz und auch ein wenig der Landeskunde. Jetzt ist auch Lady Nr. 2 wieder da, die mich plötzlich nicht mehr mit weit aufgerissenen Augen anschaut und nicht mehr verzweifelt nach Luft schnappt, sondern stattdessen engagiert am Kurs teilnimmt. Was für ein tolles Erlebnis!

Anmerkung: Selbstverständlich habe ich zwischendurch mit Lady Nr. 2 gesprochen und dabei mehr über sie erfahren. Was mir dabei bewusst wurde: Sie steht unter enormem Druck, denn nicht nur, dass sie drei Mal die Woche einen Sprachkurs besucht, nein sie studiert außerdem, hat einen Haushalt zu führen und einen Sohn, um dessen Betreuung sie sich ständig sorgen muss. Zudem – wie bei allen SprachkursteilnemerInnen –  lebt sie in einer fremden Stadt, in einem fremden Land, was an und für sich schon eine enorme Belastung sein kann. Ich ziehe diesen Hut vor dieser Frau und davor, dass sie nicht aufgibt!

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