Ich habe einen ganzen Tag mit Thomas‘ Klasse zur Verfügung. – Ein Projekttag. Projekttage sind eigentlich toll. Endlich ist der unsägliche Unterrichtsstundentakt aufgebrochen, alle sind entspannt, freuen sich auf das Projekt und sind meistens sehr fokussiert bei der Arbeit. – Es sollten sowieso mehr Projekte im Vordergrund stehen, aber das ist mal wieder ein anderes Thema.

Schon gleich zu Beginn geht das Geschrei los. „Nein, Thomas, das ist UNSER Bereich.“ „Frau Ella, Thomas macht das hier kaputt.“ […]
Selbstverständlich lässt Thomas sich nicht einfach unterbuttern: „Lass mich in Ruhe.“ „Das ist MEINS.“ […]
Und ‚zack‘ – schon hat irgendwer einen vor den Bug bekommen.
Jetzt geht’s los. In der Klasse ist ein Schüler, der sich ganz besonders oft mit Thomas anlegt. Alles andere wird vergessen, es zählt nur noch, das Gegenüber möglichst hart mit Schlägen und Tritten zu traktieren. Es ist fast unmöglich, die beiden auseinander zu bekommen.
Um wieder Ruhe einkehren zu lassen, bitte ich Thomas seine Arbeit vorerst im Nebenraum zu erledigen. – Vollkommen erfolglos. Ich erkläre ihm die Situation, irgendwann schreit er mich an. Ich zeige eine Alternative auf, er schreit weiter. Kurz und bündig erkläre ich ihm, dass ich mich von niemandem anschreien lasse und breche die Konversation ab. Nach einer Weile, in der er merkt, dass es auf diese Art nicht möglich ist, mit mir zu reden, weil einfach keine Reaktion mehr kommt, kommt er zu mir, entschuldigt sich und arbeitet vorerst im Nebenraum weiter.

Meine Art des Umgangs mit dem Konflikt war sicher nicht perfekt. Es hätte viele andere Möglichkeiten gegeben. Sie hat mir aber eins gezeigt: Thomas will genauso Aufmerksamkeit wie alle anderen Kinder sie wollen. Er will, dass seine Grenzen respektiert werden und vor allem will er auch positive Erlebnisse.

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