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Vor einiger Zeit hatte ich eine sehr, sehr liebe Medizinerin als Teilnehmerin, die einen Crashkurs bei mir machte. Der Hintergrund war, dass sie hier gerne in ihrem Beruf arbeiten möchte, auch die erforderliche Sprachprüfung dafür absolviert hatte, die Ärztekammer mit dem Ergebnis jedoch nicht zufrieden war. Es musste alles schnell gehen, da die Bestimmungen der Prüfung mit diesem Monat geändert wurden.
Die Frau kommt aus Syrien und würde nichts lieber, als wieder in ihr Heimatland zurückgehen. – Nur leider ist das unmöglich. Von der Prüfung hing also quasi die gesamte Existenz ab.* Gleich in der ersten  Stunde wurde mir klar, wie überaus analystisch diese Frau vorgeht, aber auch, was für ein enormer Druck auf ihr lastet.
Während einer der folgenden Stunden – die Prüfung stand vor der Tür, spürte ich die Anspannung, die Angst und die Verzweiflung, als könnte ich nach ihnen greifen. Gegen Ende der Stunde sagte sie schließlich diese Worte, in denen die ganze Last zum Ausdruck kam, die sie trug: „Ich würde gerne, aber ich kann nicht zurück. Meine Heimat ist zerstört.“ Und in diesem Moment liefen uns beiden die Tränen.
Wie furchtbar muss es sein, wenn das eigene Land zerstört ist, es kein Zurück gibt und wieviel furchtbarer dann immer wieder Anfeindungen und rassistischen Kommentaren ausgesetzt zu sein.
Mein Herz setzt immer noch einen Schlag aus, wenn ich daran denke – und an all die anderen Menschen, die unter den unvorstellbarsten Bedingungen ihren Weg nach Deutschland gefunden haben und nun versuchen, hier Fuß zu fassen.
Meine Bewunderung gilt ihrem Mut und ihrer Stärke. Jeden Tag von neuem.

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