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Seit einigen Wochen darf ich in einem neuen Kurs unterrichten. Diesmal in einem Integrationskurs. Die TeilnehmerInnen sind nett, allerdings ist die Gruppe viel größer als in Privatkursen, was natürlich dem ganzen Lernprozess abträglich ist. – Aber ich will mich nicht beschweren: an Gruppengrößen von 30 oder mehr, wie es an staatlichen Schulen der Fall ist, reichen wir noch nicht heran.
Den Kurs habe ich von zwei Kolleginnen übernommen. Eine der Kolleginnen treffe ich immer noch im Lehrerzimmer und so erhalte ich selbstverständlich ein paar Einblicke – darin, wie sie den Unterricht sieht und gestaltet. Mittlerweile erschließen sich mir so einige Unwägbarkeiten, über die ich während meiner kurzen Zeit bereits gestolpert bin. Die Kollegin ist nett und freundlich, aber leider auch DER Inbegriff einer Müslilehrerin. Mit den Auswüchsen dessen darf ich mich nun „anfreunden“.
Der Kurs läuft bereits seit einigen Modulen und so hätte man ganz einfach verschiedene Arbeitsformen etc. einführen können. Man hätte auch Regeln des gemeinsamen Unterrichts festglegen können. Man hätte auf die Einhaltung dieser Regeln pochen können, um allen Beteiligten einen angenehmen Unterricht zu ermöglichen. Man hätte die TeilnehmerInnen zu selbstständig Lernenden ausbilden können.
Was anscheinend dagegen geschah:
Frontalunterricht und Einzelarbeit. – Es herrscht eine totale Unfähigkeit zur Partner- und Gruppenarbeit. Ganz zu schweigen davon, dass die TeilnehmerInnen nicht in der Lage sind, selbstständig zu arbeiten und einfachste Arbeitsaufträge zu verstehen. Arbeitsergebnisse festhalten scheint etwas zu sein, was es in diesem Kurs niemals gegeben hat.
Die TeilnehmerInnen dürfen reden wann sie wollen und wie sie wollen, Melderegeln gab es nicht, gemeinsame Gespräche, in denen einander zugehört und aufeinander eingegangen wird, sind fremd. Stattdessen: wildes Durcheinandergerede. De facto: drei bis fünf Einzelgespräche jeweils durch den ganzen Raum hinweg. Fragen werden immer sofort von fast allen TeilnehmerInnen beantwortet, sodass niemand mehr etwas verstehen kann.
Die TeilnehmerInnen wurden in eine Opferrolle hineinkatapultiert. Von selbstständigem Arbeiten keine Spur. Stattdessen: völlige Unbeholfenheit, keine Strategien zum Umgang mit Wissenslücken, Panik bei Nichtwissen. (Gedankenprotokoll zur Aussage der Kollegin: Die müssen jetzt alle nochmal schön an die Hand genommen und ein bisschen gehätschelt und getätschelt werden.)

Der Kurs befindet sich im letzten Modul, steht also kurz vor der Prüfung. Ich versuche so gut es geht wenigstens durchzusetzen, dass die TeilnehmerInnen sich melden, wenn sie etwas sagen möchten, doch ich scheitere kläglich. Ich habe den Kurs insgesamt 20 Unterrichtsstunden in der Woche…

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